Rebensaft - der Radio Munot Krimi von Hans Rudolf Graf
Fragen
Welche Art von Fragen soll ich stellen?
Dies war eine der wichtigsten Fragen, welche sich mir stellte, als ich mich mit dem Konzept des Fortsetzungskrimis beschäftigte. Denn dies ist u.a. ausschlaggebend für die Glaubwürdigkeit des Konzeptes. Wenn die Hörer von Radio Munot - und all die anderen, die beim Krimi mitwirken - das Gefühl bekommen, der Autor frage zwar, wie es weitergehen soll, mache dann aber doch, was er wolle, dann ist das schlecht. Aus diesem Grund bin ich schnell davon abgekommen, offene Frage zu stellen wie:
"Womit wurde das Opfer getötet?"
Dann kommen hundertzwölf Vorschläge und ich kann wählen was mir passt - so muss es zumindest gegen aussen erscheinen, nicht wahr? Ein total willkürlicher Entscheid. Deshalb war der Entschluss schnell gefasst, jeweils eine Frage mit drei möglichen Antworten zur Auswahl zu stellen. So kann es auch zu einem eigentlichen Abstimmungsresultat mit einem heissen Abstimmungskampf kommen. Dennoch kann natürlich der Verdacht aufkommen, dass meine Fragen davon geleitet werden, die Geschichte in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Das kann ich nicht ganz ausschliessen. Das kann in bestimmten Fällen daran liegen, dass ich als Autor vielleicht eher die Chancen einer Geschichte sehe, als die Hörer. Bilde ich mir zumindest ein ... beweist mir das Gegenteil !!! (siehe unten). Oder wenn es wichtig ist, einen bestimmten Aspekt der Geschichte zu entscheiden. Aber am liebsten sind mir sicher möglichst offene Fragen, wie zum Beispiel die zu Folge 4.
Damit die Kreativität der Hörer und Leser aber auch zu ihrem Recht kommt, habe ich die Möglichkeit der "Sachdienlichen Hinweise" eingeführt. Wenn also jemand eine Idee hat, wie die Geschichte weiter gehen könnte, oder welche neuen Indizien auftauchen könnten, oder wenn jemand eine bessere Idee für die Geschichte gehabt hätte als ich (siehe oben), dann können diese Dinge auch deponiert werden. Ob ich darauf dann eingehe, hängt von der Geschichte selbst, aber auch etwas (zugegeben) von meiner "Willkür" ab ...
Ist mit den Fragen zu den einzelnen Folgen die ganze Geschichte schon bestimmt?
Das wäre ideal. Aber besonders am Anfang der Geschichte ist das nicht möglich. Als Autor muss ich die Geschichte zunächst einmal in ein Umfeld stellen, den Rahmen und die Hauptpersonen einführen. Weil die einzelnen Folgen des Krimis relativ kurz sind, ist das nicht in einer einzigen Folge möglich. Ich brauche mehr Zeit dafür. Damit ein Krimi spannend wird, braucht er ein gewisses "Mindestpersonal". Es sollen ja zum Beispiel mehrere Personen als Täter in Frage kommen. Und die müssen dem Publikum zuerst vorgeführt und in das Umfeld der Geschichte hinein gestellt werden. Es müssen Verdachstmomente eingebaut werden, es muss mit möglichst realistischen Ermittlungsmethoden gearbeitet werden und und und ... das alles braucht Platz.
Eine Geschichte hat meist mehrere Handlungsstränge. In "Rebensaft" sind dies zum Beispiel der Handlungsstrang run dum das was Tanner erlebt. Dazu kommt der Ermittlungsstrang der Schaffhauser Polizei. Der verläuft naturgemäss eher im Hintergrund, denn die Geschichte wird aus der Sicht Tanners erzählt. Es kommen weitere Stränge hinzu, z.B. Hugo Schwaningers Aktivitäten. Zu allen Handlungssträngen könnten pro Folge Fragen gestellt werden. Ich kann aber immer nur eine effektiv bringen und muss die nicht betroffenen Handlungsstränge nach eigenem Gutdünken weiter entwickeln.
Das ist aber auch gut so. Die Hörer bestimmern über einen Aspekt der Geschichte, können aber dennoch gespannt sein, was noch neues dazu kommen wird in der nächsten Folge.
Am Ende ist aber eines wichtig:
Die Endverantwortung für die Geschichte habe ich, der Autor. Unter anderem bin ich verantwortlich, dass sie nach 14 Folgen zu einem überzeugenden, fulminanten, unerwarteten (was auch immer ... ) Ende kommt. Einen Teil der Verantwortung kann ich abgeben an die Mitmachenden, aber dennoch: Es ist immer noch meine Geschichte, gäll?







