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Über Funk war die Einsatzzentrale nicht zu erreichen, zu dicht war der Funkverkehr. Er konnte seine Meldung nicht loswerden.

»Burckhardts Handy«, sagte Schwab zu ihm. Er nickte und wählte die Nummer. Ihr Wagen war bereits auf dem Claragraben, und vorn war zu sehen, wie die schwarze Limousine nach links auf die Feldbergstraße abbog. Sie wollten wohl über die Johanniterbrücke den Rhein überqueren.

»Haben sie gleich«, sagte Schwab, während im Telefon das Rufzeichen ertönte.

»Nur nicht zu nah aufschließen, Schwab, sonst ...« Er unterbrach sich als Burckhardt abnahm.

»Tanner hier. Die Entführer hauen ab, samt Anne. Schwab und ich verfolgen sie.«

»Scheiße«, rief der Chef. »Die ganze Aktion für die Füchse. Wir müssen umdisponieren. Straßensperren einrichten und ...«

»Vergiss es«, sagte Tanner. »Dazu müssten wir schon im Voraus wissen, wohin sie fahren wollen.«

»Wir müssen es dennoch versuchen. Wir brauchen von Euch laufend Informationen, wo sie gerade sind. Auf jeden Fall machen wir einmal die Autobahnauffahrten dicht und informieren die Grenzwache. Haben sie übrigens schon bemerkt, dass sie verfolgt werden?«

Tanner schaute nach vorn und stellte fest, dass die Limousine sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit hielt, während sie die Johanniterbrücke überquerte.

»Es sieht nicht so aus«, antwortete er.

»Sie dürfen nichts merken, sonst versuchen sie womöglich zu fliehen. Und das bringt Anne und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr.«

»Alles klar. Schwab bleibt immer zwei bis drei Autos hinter den Entführern.« Er schaute seinen Kollegen an, ob dieser verstanden hatte. Schwab nickte stumm.

»Kennen sie euren Wagen«, fragte ihn Burckhardt. Er dachte kurz nach und kam zum Schluss, dass der Maserati den Entführern noch unbekannt sein müsste.

»Dort vorn kommt eine Ampel. Jetzt wird es schwierig«, rief die Kliebenschädel vom Rücksitz. Sie hatte recht. Sie durften sich dort nicht abhängen lassen. Das konnte wegen der fremden Autos zwischen ihnen und der Limousine ein Problem sein.

»Wer hat da eben gesprochen?«, fragte Burckhardt am Telefon.

Tanner seufzte. »Die Kliebenschädel«, antwortete er kurz.

»Bist du wahnsinnig?«, rief sein Chef. «Du kannst doch die Presse nicht mitnehmen. Da bekommen wir größte Schwierigkeiten mit den Juristen von wegen Formfehlern ...«

»Was hätte ich tun sollen«, unterbrach er Burckhardt. »Sie hat sich völlig überraschend in unseren Wagen gedrängt, als wir unter höchstem Zeitdruck losfahren mussten.«

»Aber ausgerechnet die Kliebenschädel.«

»Ich kann sie doch nicht aus dem fahrenden Wagen schmeißen.«

»Wagen Sie's nur«, keifte die Reporterin los. »Das gäbe einen Artikel auf der morgigen Frontseite vom Blatt ...«

»Schon gut. Lass' sie drin«, sagte der Kripochef. »Dieses Problem lösen wir später. Jetzt muss vor allem diese Entführung bewältigt werden. Wo seid ihr?«

»Wir fahren gerade die Schanzenstraße hoch. Mist, da kommt schon die nächste Ampel, natürlich auch rot.«

»Ihr dürft sie nicht verlieren. Warte, ich schalte das Telefon auf Lautsprecher. Dann können hier alle mithören und sofort reagieren. Was vermutest du, wo sie hinwollen?«

»In Richtung Autobahn wohl eher nicht«, überlegte er laut. »Sonst wären sie sicher die Feldbergstraße in Richtung Riehenring und Badischer Bahnhof gefahren. Ich tippe eher auf die französische Grenze - falls sie Basel verlassen wollen.«

Hinter ihm raschelte es, als die Kliebenschädel ihren Notizblock umblätterte. Er drehte sich zu ihr um und sah, wie sie hektisch schrieb. Sie bemerkte seinen Blick und schaute zu ihm hoch.

»So ein Glück! Das Blatt hautnah an einer Verfolgungsjagd beteiligt. Das gibt einen Wahnsinnsartikel!«

Er hatte einen bissigen Kommentar auf den Lippen, als die Ampel auf Grün wechselte und Schwab losfuhr. Und sofort wieder bremste, denn der silberfarbene Kleinwagen vor ihnen, der von einem älteren Mann gelenkt wurde, stand immer noch still. Erst als Schwab hupte, bemerkte der Fahrer, dass es weiterging. Gemächlich fuhr er los. Im Letzten Moment schafften sie es über die Ampel.

»Sie fahren die Schönbeinstraße hoch in Richtung Spalentor«, sagte er zu Burckhardt. »Wir sind immer noch zwei Wagen hinter ihnen. Jetzt blinkt er nach rechts. Er will in die Missionsstraße hinein.«

»Aha! Du könntest recht haben mit Frankreich. In dieser Richtung geht es zum Grenzübergang Saint Louis. Wir alarmieren die Grenzwache.«

»Hoffentlich ist der Posten besetzt. Seit diesem Schengenabkommen ist das nur noch sporadisch der Fall.«

»Wir versuchen, auch die Franzosen zu informieren. Aber bis wir den Zuständigen gefunden haben, sind sie längst außer Land.«

»Dann müssen wir hinterher.«

»Kein Problem, dafür gibt es ja seit Kurzem diesen Staatsvertrag. Ihr könnt sie auch in Frankreich verfolgen.«

»Herr Tanner«, sagte Schwab. »Wir sind allein.« Er deutete nach vorn. Tatsächlich hatten sie nun kein fremdes Fahrzeug mehr zwischen sich und den Entführern. Diese fuhren nur etwa dreißig Meter vor ihnen, immer noch mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

Die Missionsstraße war auf beiden Seiten mit parkenden Autos voll gestellt. Lücken gab es nur vor Gebäudezufahrten. Der Autoverkehr teilte sich den verbleibenden Platz auf der Straße mit zwei Straßenbahnspuren.

»Fahren Sie dort in die Lücke«, rief Tanner Schwab zu. Der reagierte sofort und ließ den Maserati aus dem Blickfeld der Limousine verschwinden. »Jetzt warten wir ein paar Sekunden, dann geht's wieder hinterher.«

»Das ist ja wie im Film«, sagte die Reporterin auf dem Rücksitz. Sie hatte eine kleine Digitalkamera in der Hand und schoss ein Foto von Schwab, der hoch konzentriert hinter dem Steuer saß. »Den Gegner verfolgen, dann verstecken und schließlich wieder hinterher. Und ich bin dabei ...«

»Schön, dass Sie das begeistert. Ich kann nur hoffen, dass die Entführer uns nicht bemerken und so Gefahr für Anne entsteht«, antwortete Tanner.

»Fahre los«, presste Schwab zwischen den Zähnen durch. Und schon waren sie wieder auf der Straße. Die Entführer erreichten eben die nächste Kreuzung.

»Die Limousine ist etwa hundertfünfzig Meter vor uns, Richtung Burgfelderstraße«, berichtete Tanner dem Chef.

»Die Grenzwache hat gemeldet, dass der Übergang Saint Louis zurzeit nicht besetzt ist. Wir versuchen es bei den Franzosen.«

»Da ist noch einer«, sagte Schwab plötzlich zu Tanner und deutete nach hinten. Er blickte aus dem Rückfenster. Eine schwarze Limousine, identisch mit der vor ihnen, fuhr unmittelbar hinter ihnen. Und am Steuer saß ein Mann mit dunkler Sonnenbrille und Anzug. Der Wagen setzte zum Überholen an.

»Lasse ich nicht vorbei«, sagte Schwab in sachlichem Tonfall und trat das Gaspedal durch. Tanner erhielt einen Schlag in den Rücken, als die vierhundert Pferdestärken des Maseratis den Wagen vorwärts katapultierten. Der Kliebenschädel fiel die Kamera aus der Hand, als sie Halt suchend umherfuchtelte.

»Was ist los?«, fragte Burckhardt aus dem Telefon.

»Die haben Rückendeckung. Schlaue Kerle«, antwortete Tanner.

Vor ihnen lag die Straßeninsel der Haltestelle Pilgerstraße. Schwab folgte der Straße, die bogenförmig rechts um die Insel herum führte. Ihr Verfolger fuhr auf der Straßenbahnspur geradeaus. Dennoch war Schwab nach der Insel vor ihm auf der geraden Strecke.

»Wahnsinn«, keuchte die Reporterin. »Eben noch waren wir die Verfolger - und nun sind wir selbst auf der Flucht.« Sie drückte sich an die Lehne von Tanners Sitz und klammerte sich an seine Kopfstütze. Er sah, dass ihre Augen vor Begeisterung glänzten. Am liebsten hätte er sie jetzt wirklich aus dem Wagen geworfen.

»Sie sind sich wohl über den Ernst der Lage nicht im Klaren. Dort vorn flüchten Entführer mit meiner Freundin als Geisel. Wir fahren in einem Höllentempo durch eine belebte Straße. Jeden Moment kann ein Kind zwischen den parkenden Autos hervorrennen. Hinter uns haben wir einen Geheimagenten, der uns stoppen will. Sie sollten beten, dass wir ohne Unfall aus dieser Sache herauskommen!«

»Herr Schwab hat das im Griff«, winkte sie ab. Doch dann wurden ihre Augen groß. Er folgte ihrem Blick nach vorn. Sie näherten sich der nächsten Kreuzung. Die Ampel war noch grün, aber sicher nicht mehr lange. Rechts auf der Querstraße wartete eine Straßenbahn darauf, dass sie die Kreuzung überqueren konnte. Schon wechselte die Ampel auf Gelb, dann auf Rot ... aber Schwab fuhr zu.

»Das klappt«, sagte er nur, wich der losfahrenden Straßenbahn mit einem Schwenker nach links aus. Tanner schaute nach hinten. Die Straßenbahn fuhr weiter. Lautes Reifenquietschen verriet, dass ihr Verfolger dahinter bremsen musste.

»Schwab hat sie mit einer Straßenbahn ausgebremst«, meldete er der Zentrale. »Vielleicht sind wir sie los.«

Hinter der wegfahrenden Bahn wurde der mitten auf der Kreuzung stehende Agentenwagen sichtbar, umringt von hupenden Autos. Aber schon trat der Fahrer aufs Gas und nahm die Verfolgung wieder auf.

»Da kommt er schon wieder angebraust«, sagte die Kliebenschädel. Rücksichtslos fuhr der Wagen über die Kreuzung und holte schnell auf, während Schwab das Tempo drosseln musste, um dem vor ihm fahrenden Entführerwagen nicht zu nahe zu kommen. Kurz vor der nächsten Kreuzung setzte ihr Verfolger zum Überholen an. Genau im Kreuzungsbereich war er auf Höhe des Maseratis.

»Festhalten«, rief Schwab und bog im letzten Moment nach rechts ab. Ihr Verfolger konnte nicht mehr reagieren und fuhr geradeaus.

»Super ausgebremst, Schwäblein«, rief die Reporterin und klatschte in die Hände.

»Ja, super«, antwortete Tanner bitter. »Jetzt sind die Entführer so gut wie entkommen. Sie haben uns ins Abseits gefahren, Schwab. Genau das wollten sie erreichen.«

»Was ist los bei euch?«, fragte Burckhardt.

»Der Kerl hat uns kurz vor dem Kannenfeldpark abgedrängt«, antwortete er. »Wir sind jetzt in der Straßburger Allee.«

»Fahre um den Park herum«, sagte Schwab. Er wirkte wie die Ruhe selbst und gab Gas, was der Motor hergab. Wieder drückte es Tanner in den Sitz hinein, und die Kliebenschädel flog förmlich nach hinten.

»Schalten Sie Blaulicht und Martinshorn ein, Schwab. Wir sind ohnehin entdeckt. So hören uns wenigstens die Unbeteiligten und können ausweichen.«

Mit dröhnendem Triebwerk und gellendem Horn rasten sie über den Kannenfeldplatz. Wie durch ein Wunder waren keine Fußgänger oder Radfahrer in Sicht. Die wenigen Autos überholte Schwab auf der Straßenbahnspur. Dann hetzte der Maserati in die Flughafenstraße hinein. Auf der linken Seite flog die hohe Mauer des Kannenfeldparks vorbei. Als sie am Osttor vorbei kamen, raste die schwarze Limousine gerade heraus und setzte sich mit quietschenden Reifen direkt hinter sie.

»Er ist wieder hinter uns«, rief Tanner ins Telefon. »Ist durch den Kannenfeldpark hindurchgefahren.«

»Durch den Kannenfeldpark?« Das Entsetzen des Chefs war deutlich zu hören. »Der ist um diese Zeit voller Leute. Hoffentlich hat er niemanden verletzt. Schwab soll um Himmels willen vorsichtig fahren.«

»Tut er immer.« Tanner klammerte sich fester an den Haltegriff seiner Tür.

»Der Kerl ist gut«, knurrte Schwab anerkennend.

»Und er kennt die Stadt«, stimmt Tanner zu.

»Der wusste genau, was wir wollten, dieser Mistkerl«, rief die Kliebenschädel, die ihre Kamera mittlerweile wieder in der Hand hatte. Sie schoss eine Aufnahme ihres Verfolgers aus dem Rückfenster. Plötzlich schrie sie. »Der schießt!«

Tanner schaute zurück. Der Agent hatte sein Seitenfenster heruntergedreht und zielte mit einer großkalibrigen Pistole auf ihren Wagen.

»Runter«, befahl er laut. Die Kliebenschädel warf sich platt auf die Rückbank.

»Schwab, wir müssen ihn loswerden«, rief er seinem Kollegen zu. »Endgültig.«

Ein Schuss peitschte. Er konnte keinen Treffer feststellen.

»Habe eine Idee«, sagte Schwab und deutete nach vorn.

»Wollen Sie durch die Glaserbergstraße«, fragte er Schwab. »Aber das ist eine Dreißigerzone.« Vor seinem geistigen Auge sah er ihren Wagen in einen der Poller rasen, die zur Verkehrsberuhigung am Rand der schmalen Straße angebracht waren. Aber schon bog Schwab nach links in die enge Quartierstrasse ein, wo abwechselnd rechts und links Autos parkten. Er schlängelte sich gekonnt hindurch. Das machte das Zielen für den Verfolger unmöglich. Dann flog der Maserati fast über eine der Schwellen in der Straße, welche die Verkehrsteilnehmer zur Mäßigung ihrer Geschwindigkeit bewegen sollten. Dahinter machten Poller die Straße eng, Schwab wich auch diesen gekonnt aus.

»Sie wussten, dass es hier für unseren Verfolger schwierig sein würde, auf uns zu schießen?«, fragte die Kliebenschädel, die von den vielen Kurven hin und her geworfen wurde.

»Wir kennen doch unsere Stadt«, antwortet Tanner mit einem kleinen Lächeln. Ein Blick nach hinten zeigte ihm, dass ihr Verfolger zwar etwas zurückgefallen war, aber immer noch an ihnen hing.

»Da vorn, ein Kind«, schrie die Kliebenschädel plötzlich. Ein kleines Mädchen fuhr auf seinem Kinderfahrrad von rechts aus dem Kannenfeldweglein in die Quartierstraße hinein, ohne zu schauen. Schwab trat voll auf die Bremse. Das Mädchen erschrak vom Quietschen der Reifen und fiel hin. Schwab riss das Steuer nach links, wo sich das schmale Kannenfeldweglein fortsetzte. Es gelang ihm, quer vor dem Mädchen zum Stehen zu kommen.

»Wenn das Tor offen ist, können wir hier weiter fahren, in den Park hinein«, sagte Tanner hastig zu Schwab. Der nickte nur, legte den ersten Gang ein und fuhr in das Weglein hinein, das kaum breit genug für seinen Wagen war.

Tanner sah hinter ihnen, dass das Mädchen schon wieder stand und schreiend weglief. Sein Rad ließ es auf der Straße liegen. Keine Sekunde zu früh. Der Verfolger reagierte nicht so gut wie Schwab. Sein Schwung trug ihn trotz Vollbremsung über die Abzweigung hinaus und der Wagen zermalmte das rosarote Fahrrad. Ohne sich darum zu kümmern, stieß er mit qualmenden Reifen zurück und folgte ihnen. Sein ausscherendes Heck rasierte die Buchsbaumhecke am Wegrand weg.

Das Tor zum Park war offen. Sie erreichten die Kieswege, und Schwab steuerte den Wagen um die erste Kurve. Eine Staubwolke erhob sich hinter ihnen. Vom Martinshorn gewarnte Mütter rissen ihre spielenden Kinder an sich.

»Was ist los bei Euch?«, rief Burckhardt aus dem Telefon.

»Unser Verfolger schießt, keine Zeit für Erklärungen«, antwortete Tanner hastig.

»Mal sehen, ob unser Freund Rallye-Erfahrung hat«, sagte Schwab, verlangsamte und schaute in den Rückspiegel. Schon kam der Agent aus dem Weglein geschossen und legte seinen Wagen in die Kurve. Die Limousine schlitterte auf dem rutschigen Untergrund weg, drehte sich um die Achse, glitt auf den angrenzenden Rasen hinaus und landete in einem Gebüsch. Mütter und Kinder schrien.

»Aha«, sagte Schwab, mit zufriedenem Grinsen und fuhr langsam in Richtung zum runden Platz in der Mitte des Parks. Ein paar Spaziergänger wichen in die Büsche zu beiden Seiten der Straße zurück.

»Sie sind Rallyefahrer?«, fragte die Kliebenschädel mit bewunderndem Tonfall.

»Nicht mehr«, antwortete Schwab. »Werde den Kerl auf dem Platz abhängen.« Er wartete, bis der Verfolger mit wild durchdrehenden Rädern auf dem Schotterweg war. Dann gab er genau so viel Gas, dass der Agent in knapp zwei Meter Abstand hinter ihnen herfahren konnte. Schon erreichten sie die Wegkreuzung des runden Platzes, wo rundherum metergroße Steinskulpturen von stilisierten Tieren standen. Im letzten Moment drehte Schwab nach rechts weg, fing das ausscherende Heck mit Gegensteuern und Vollgas ab und raste in Richtung des westlichen Parktors.

Tanner sah, dass der Verfolger von Schwabs Manöver überrascht wurde. Er versuchte zwar noch, die Kurve zu nehmen, schaffte es aber nicht ganz, krachte frontal in eine granitene Seehundskulptur, riss sie vom Sockel und blieb mit zerstörtem Motorraum stehen.

»Hält auch so ein Wagen nicht aus«, sagte Schwab und fuhr weiter in Richtung Ausgang. Die Gäste der Cafeteria beim Tor waren längst aufgestanden und starrten dem mit dröhnendem Motor und Sirene heranrasenden Maserati entgegen.

Da explodierte die Limousine mit einem gewaltigen Feuerball.

»Mein Gott«, rief die Reporterin. Ihr Gesicht war vor Aufregung gerötet. Sie schoss sofort ein paar Fotos vom brennenden Autowrack. »Ich dachte immer, Autos könnten nicht so explodieren«, sagte sie heiser.

»Ja, erstaunlich«, antwortete Tanner. Aber wer wusste schon, was in diesem Agentenwagen alles drinsteckte.

»Auftrag ausgeführt«, teilte ihm Schwab im Plauderton mit. »Sind wir endgültig los.«

»So war das nun auch wieder nicht gemeint«, antwortete er mit schiefem Grinsen. »Damit werden wir noch eine Menge Ärger haben.«

»Womit werdet ihr Ärger haben«, fragte Burckhardt aus dem Telefon.

»Unser Verfolger hatte einen Unfall. Im Kannenfeldpark. Kannst du bitte Feuerwehr und Rettung hinbeordern?«

»Feuerwehr? Rettung?«, schrie der Chef. »Was habt ihr dort angerichtet?«

»Ich habe jetzt keine Zeit für Erklärungen. Immerhin gab es keine Opfer unter den Passanten. Wir haben die Entführer natürlich verloren, fahren aber trotzdem weiter in Richtung Grenze. Wissen die Franzosen Bescheid, dass wir kommen?«

»Jaja, das ist in Ordnung.« Burckhardts Stimme klang belegt. »Die Gendarmerie weiß von der Verfolgung. Den Grenzposten haben wir noch nicht erreicht. Wie auch immer. Schwab soll seinen Pferden die Sporen geben.«

»Hab's gehört«, sagte Schwab, bog auf die Burgfelderstraße ein und gab dem Maserati die Sporen.

Die Kliebenschädel schien sich vom Schreck der Explosion erholt zu haben. Sie klebte wieder an Tanners Rückenlehne und schaute aus der Windschutzscheibe. Dann deutete sie auf das rasend schnell näher kommende Felix-Platter-Spital. »Wenn wir jetzt einen Unfall haben, sind wir wenigstens nah an der nächsten Notfallstation.«

»Und wenn's schlimm kommt, liegt weiter vorn das Paraplegikerzentrum«, ergänzte Schwab. Tanner konnte nur staunen. So wortreich und voll schwarzem Humor hatte er seinen Kollegen noch selten erlebt. Ob das am Adrenalin lag?

Wenig später schossen sie am Paraplegikerzentrum vorbei. Schwab verlangsamte, als sie zum Zoll kamen. Dort herrschte große Aufregung unter den französischen Grenzwächtern. Schwab drehte das Seitenfenster hinunter, schaltete die Sirene aus. »Schwarze Limousine?«, fragt er nur. Der Grenzwächter nickte, gestikulierte wild und ließ einen Schwall Französisch auf ihn los.

Sie waren den Entführern noch auf den Fersen.